Während die Elektromobilität in Europa zunehmend an Fahrt aufnimmt, geht Porsche mit einem ambitionierten Projekt einen parallelen Weg: die Entwicklung synthetischer Kraftstoffe – sogenannter eFuels.
Im Süden Chiles, in der windreichen Region Punta Arenas, entsteht eine der ersten industriellen Anlagen weltweit, die CO₂-neutralen Kraftstoff aus Windstrom, Wasser und Kohlendioxid herstellt.
Doch was genau passiert dort, warum engagiert sich Porsche in diesem Bereich – und kann eFuel tatsächlich eine klimafreundliche Alternative zum klassischen Benzin werden?
Was ist das Porsche eFuel-Projekt?
Das „Haru Oni“-Projekt (japanisch für „Kleiner Frühling“) ist eine Pilotanlage, die von Porsche, Siemens Energy und weiteren Partnern wie HIF Global betrieben wird. Ziel ist es, in einem realen industriellen Maßstab zu zeigen, dass synthetische Kraftstoffe technisch machbar und wirtschaftlich skalierbar sind.
In der Anlage wird mit Windenergie Strom erzeugt, der zur Elektrolyse von Wasser genutzt wird. Dabei entsteht grüner Wasserstoff (H₂). Dieser wird anschließend mit aus der Luft gewonnenem CO₂ zu E-Methanol und schließlich zu synthetischem Benzin (E-Fuel) verarbeitet.
Formel vereinfacht:
CO₂ + 2H₂ → CH₃OH → synthetisches Benzin
Das Endprodukt ist chemisch nahezu identisch mit fossilem Benzin – lässt sich also in bestehenden Verbrennungsmotoren und der bestehenden Tankstelleninfrastruktur verwenden.
Warum Chile? Standort mit idealen Bedingungen
Chile bietet die perfekten Voraussetzungen für die eFuel-Produktion:
Starke und konstante Winde in Patagonien – eine der windreichsten Regionen der Erde
Geringe Bevölkerungsdichte und viel freie Fläche
Exportfreundliche Politik mit Fokus auf grüne Energieprojekte
Während die Herstellung in Europa aktuell noch teuer wäre, können in Chile erneuerbare Energien fast durchgehend genutzt werden. So wird der synthetische Kraftstoff nicht nur klimaneutral, sondern auch ökonomisch konkurrenzfähiger.
Porsches Rolle und Vision
Porsche ist seit Beginn Hauptinvestor und technischer Partner des Projekts. Der Sportwagenhersteller sieht in eFuels eine Brücke zwischen Tradition und Zukunft:
> „Unsere Fahrzeuge sind für Langlebigkeit gebaut – eFuels können sie klimaneutral betreiben“, so Michael Steiner, Porsche-Entwicklungsvorstand.
Ziel ist es, bestehende Fahrzeuge, insbesondere Klassiker und Sportwagen, auch künftig CO₂-neutral zu bewegen.
Denn rund 1,3 Milliarden Verbrenner weltweit lassen sich nicht kurzfristig ersetzen – eFuels könnten hier den entscheidenden Beitrag leisten.
Produktionsstart und Skalierung
Die Pilotanlage in Punta Arenas nahm Ende 2022 ihren Betrieb auf.
Erste Produktionsmenge: rund 130.000 Liter eFuel pro Jahr
Geplanter Ausbau: bis 2026 auf 55 Millionen Liter,
langfristig über 500 Millionen Liter jährlich
Der in Chile erzeugte Kraftstoff wird per Tanker exportiert und zunächst für Testflotten, Motorsport und Demonstrationsprojekte genutzt – darunter auch im Porsche Mobil 1 Supercup.
Technischer Prozess im Überblick
1. Elektrolyse: Windstrom spaltet Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff.
2. CO₂-Abscheidung: CO₂ wird aus der Umgebungsluft oder industriellen Quellen entnommen.
3. Synthese: Wasserstoff und CO₂ werden in einem Reaktor zu Methanol oder eFuel umgewandelt.
4. Veredelung: Aus Roh-E-Fuel entsteht ein hochreiner synthetischer Kraftstoff, der alle EU-Normen erfüllt.
Ergebnis: Ein klimaneutraler Benzinersatz, der mit herkömmlichen Fahrzeugen kompatibel ist.
Chancen und Herausforderungen
Vorteile:
Nutzung bestehender Infrastruktur (Tankstellen, Motoren, Logistik)
Klimaneutralität bei grünem Strom
Globale Handelbarkeit
Beitrag zur Dekarbonisierung des Bestandsverkehrs
Herausforderungen:
Hohe Produktionskosten (aktuell ca. 4–5 €/Liter)
Energieverluste bei der Umwandlung
Noch begrenzte Produktionskapazitäten
Notwendige politische Förderung für Markthochlauf
Porsche sieht die ersten Jahre als Investition in Forschung und Skalierung, nicht in Gewinn.
Mit zunehmender Größe und sinkenden Stromkosten könnten eFuels künftig unter 2 € pro Liter kosten.
eFuels als Ergänzung zur Elektromobilität
Porsche betont, dass eFuels kein Ersatz, sondern eine Ergänzung zur Elektromobilität sind.
Während batterieelektrische Fahrzeuge vor allem in Ballungsräumen und auf Kurzstrecken sinnvoll sind, könnten eFuels dort glänzen, wo Ladeinfrastruktur oder Gewichtslimits problematisch sind – etwa bei:
Langstreckenfahrzeugen
Lkw, Flugzeugen und Schiffen
Die Zukunft könnte also hybrid aussehen:
Elektroautos für die Masse, eFuels für den Bestand und den Hochleistungsbereich.
Ausblick: Deutschland und Chile als Energiepartner
Das eFuel-Projekt zeigt exemplarisch, wie internationale Kooperation funktionieren kann:
Deutschland bringt Know-how und Technologie, Chile liefert die erneuerbare Energie.
Dieses Modell könnte in Zukunft auf andere Regionen übertragen werden – z. B. Nordafrika, Australien oder Island – und damit globale CO₂-Reduktionsstrategien unterstützen.
Porsche baut an der Zukunft des flüssigen Sprits
Mit dem eFuel-Projekt in Chile beweist Porsche, dass nachhaltige Mobilität nicht nur elektrisch gedacht werden muss.
Auch wenn die Technologie noch teuer und energieintensiv ist, zeigt sie ein enormes Potenzial:
Bestehende Fahrzeuge weiter nutzen, ohne das Klima zusätzlich zu belasten.
Der Weg zur klimaneutralen Mobilität führt nicht nur über Batterien – sondern auch über Innovation, Vielfalt und internationale Zusammenarbeit.
FAQ – Häufige Fragen zu Porsches eFuel-Projekt
Wie klimaneutral ist eFuel wirklich?
Nur, wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen stammt und das CO₂ nachhaltig gewonnen wird.
Wann ist eFuel an der Tankstelle verfügbar?
Großflächige Nutzung wird frühestens ab 2027 erwartet, zunächst in Premium- und Motorsportanwendungen.
Wie viel kostet ein Liter eFuel aktuell?
Rund 4–5 €, mit stark sinkender Tendenz bei industrieller Massenproduktion.
Kann jedes Auto mit eFuel fahren?
Ja, fast alle modernen Verbrennungsmotoren können synthetische Kraftstoffe ohne Umrüstung nutzen.
Porsche eFuel-Projekt in Chile: Deutsche Ingenieure entwickeln den Sprit der Zukunft
Im Süden Chiles produziert Porsche erstmals CO₂-neutralen Treibstoff aus Windenergie und CO₂. Wie das eFuel-Projekt funktioniert und was es für die Mobilität bedeutet.
Porsche eFuel, Haru Oni, synthetische Kraftstoffe, Chile, Wasserstoff, CO₂-neutraler Treibstoff, Siemens Energy, HIF Global, E-Fuels, nachhaltige Mobilität, klimaneutraler Sprit

