Was passiert nach den Diesel-Urteilen?

Dieselmotoren zunehmend in Verruf geraten

 

Der Dieselmotor galt lange Zeit als Lieblingsmotorisierung der Deutschen. Sparsam war er vor allem, verbrauchte bei ähnlicher Fahrleistung oft 30-40 % weniger als ein vergleichbarer Benzinmotor. Sicher, ältere Modelle rußten vor allem bei Vollgas ungemein, aber dies glaubte man mit Rußpartikelfiltern in den Griff bekommen zu haben. Auch die gefährlichen Stickoxidemissionen, die bei langfristiger Einwirkung Atemwegserkrankungen hervorrufen können und daher vor allem in Großstädten zum Problem geworden sind, wurden angeblich durch verbesserte Methoden der Abgasreinigung auf erträgliche Ausmaße verringert.
Die Ereignisse der letzten Jahre haben jedoch am Image des angeblich so sauberen Dieselmotors erhebliche Zweifel aufkommen lassen. Der Abgasskandal, von dem vor allem Volkswagen, aber auch andere deutsche Hersteller in geringerem Maße betroffen waren, ließ offen zu Tage treten, dass der Schadstoffausstoß heutiger Diesel immer noch deutlich höher ist als erwartet.

Politische Lösung befriedigt viele nicht

Dies war auch ein Grund für die Bundesregierung, sich des Themas im Rahmen eines Gipfels zum Dieselmotor anzunehmen. Ende Juli 2017 tagten dazu die Vertreter von Bund und Ländern in Berlin. Kernthema war dabei die Frage, ob die bereits seit einigen Jahren bestehenden Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in den Innenzonen der Großstädte auch auf neuere Fahrzeuge angewendet werden sollten. Eine solche Maßnahme hätte allerdings Millionen von Autofahrern den Alltag erheblich erschwert und den Wert ihrer Fahrzeuge drastisch herabgesetzt. Schon jetzt überschwemmen wenig gebrauchte Dieselautos Verkaufsplattformen wie zum Beispiel Mobile.de.
Alternativ wurde daher die Umrüstung neuerer Dieselautos der Abgasnormen Euro 5 und Euro 6 ins Gespräch gebracht. Umweltschützer hatten gehofft, dass die Schadstoffemissionen durch Nachrüstung verbesserter Abgasreinigungssysteme dramatisch reduziert werden können. Stattdessen wurde jedoch der Vorschlag der großen Autohersteller VW, Opel, Mercedes und BMW angenommen, mit Hilfe eines unkomplizierten und günstigen Softwareupdates den Schadstoffausstoß zu senken. Da die hierdurch erzielbaren Verbesserungen jedoch nur im Bereich von 20-30 % liegen, wurde die Entscheidung vielerorts mit Enttäuschung aufgenommen.

Verbrennungsmotor auf dem absteigenden Ast

Die große Angst der Diesel-Besitzer ist damit zunächst genommen. Ihre Fahrzeuge werden nicht über Nacht wertlos, ein Fahrverbot für neuere Dieselautos wird es so bald nicht geben. Dennoch wird sich das Image des Dieselmotors wahrscheinlich langfristig nicht von dem Dämpfer erholen, das es in den letzten Jahren erlitten hat. Die Ereignisse haben gezeigt, dass ein sauberer Dieselmotor eine Illusion ist und bleiben wird. Dies liegt allein schon in den Gesetzen der Physik und Chemie begründet. Die moderne Abgasreinigung, die notwendig ist, um den Schadstoffausstoß bei Dieselmotoren auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, ist zudem sehr kompliziert und störanfällig.
Auf lange Sicht wird der Verbrennungsmotor im Allgemeinen daher keine Zukunft haben, auch wenn uns Fahrzeuge mit Otto- und Dieselmotor wohl noch lange Zeit im Straßenverkehr begegnen werden. Die Anzahl der Arbeitsplätze, die mit dem Verbrennungsmotor zusammen hängen, nicht nur in der Produktion sondern auch in der Zuliefererindustrie und der Wartung, ist derartig groß, dass eine sprunghafte Umstellung auf alternative Antriebe ein Chaos verursachen würde. Langfristig werden sich aber aufgrund immer knapperer Ressourcen und steigender Klimaerwärmung andere Antriebskonzepte durchsetzen müssen.

Alternative Antriebe bleiben interessant

Evolution, nicht Revolution, lautet daher im Moment die Devise bei den alternativen Antrieben. Vor allem der Elektromotor bleibt weiter auf dem Vormarsch. Gegenwärtig leiden Elektrofahrzeuge noch unter den hohen Anschaffungspreisen und der schlechten Infrastruktur, doch diese ist vor allem in den Großstädten in den letzten Jahren beständig ausgebaut worden und wächst weiter. Auch die anfangs noch sehr geringen Reichweiten der Elektrofahrzeuge konnten verbessert werden, etwa beim jüngst vorgestellten Tesla 3. Weitere Entwicklungsarbeit ist jedoch beim Elektromotor unabdingbar, um ihn zu einer echten Alternative werden zu lassen. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass im bald anbrechenden neuen Jahrzehnt gravierende Verbesserungen bei Elektrofahrzeugen erzielt werden können und diese dann auch zunehmend für den Massenmarkt attraktiv werden

 

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