Renault und Wechselakkus

Vor einiger Zeit hat die erste europäische Batteriewechselstation für Elektroautos von der kalifornischen Firma „Better Place“, im dänischen Kopenhagen eröffnet.


Das Prinzip scheint recht einfach, Drive, Switch, Go.
Soll heißen, vorfahren, tauschen und mit vollen Akkus weiterfahren.

Die Station erinnert optisch an eine futuristische Waschstraße und nimmt nicht viel mehr Fläche als eine herkömmliche Tankstelle ein. Dort soll der E-Auto Fahrer sein Auto abstellen und sich um nichts mehr kümmern müssen. Den Rest erledigen Roboter. In lediglich 3 Minuten soll der Tauschvorgang erledigt sein.

Jedoch hilft das dem Elektromobilisten, der von zu Hause und der nächsten Wechselstation weit weg ist, erstmal nicht weiter. Um zu verhindern, dass man mit entladenen Speicher liegen bleibt, setzen die Kalifornier deshalb auf Dialog zwischen Fahrer und Auto. Macht langsam die Akkuladung schlapp, bekommt der Fahrer rechtzeitig eine Mitteilung über das zentrale Display im Auto und auch weist das Navigationsgerät den Weg zur nächsten Wechselstation. So soll es nach den Verantwortlichen bei Renault-Nissan funktionieren.
Der Direktor des Fluence Z.E. Projekts, Nicolas Remise, schwärmt schon jetzt von einer echten Revolution und von Elektroautos mit unbegrenzter Reichweite.

Diese Idee ist nicht neu. Auch Opel hat in den 90er Jahren gemeinsam mit der Deutschen Post mit einem Wechsel-Akku-System für den Lieferwagen Combo experementiert, die Pläne aber wieder schnell verworfen, aus praktischen Gründen. Die Elektro- und Kühlmittelanschlüsse mussten von Hand gelöst und wieder angeschlossen werden. Hierbei hatten die Mitarbeiter viel Mass zu bewegen. Da die Lithium-Ionen-Akkus 200 bis 300 kg wiegen, ist die ganze Prozedur vom Aufwand eher mit einem Motortausch zu vergleichen. Das Besondere an der jetzt in Dänemark vorgestellten Quick-Drop Station, sie erledigen diese Schwerarbeit vollautomatisch.
Das E-Fahrzeug fährt auf eine Art von Brücke, unter der sich auf Schienen zwei Schlitten bewegen. Der erste platziert sich unter dem Auto und entriegelt die Haltevorrichtung der im Unterboden angebrachten Akkus. Der Speicher wird zu einer Ladestation transportiert. Gleichzeitig liefert der zweite Schlitten die volle Batterie für die automatische Montage.

Der Vorteil, ähnlich wie in der Waschstraße kann der Fahrer im Auto bleiben und nach dem Akku-Wechsel gleich wieder weiter fahren. Auch auch die Nachteile sind offensichtlich, alle anderen Hersteller von Elektroautos setzen auf das Laden an der heimischen Steckdose, an einer Ladestation oder per Induktionsspule. Zurzeit gibt es noch keinen einheitliche Akku-Standards. Jedoch arbeiten im Konsortium „Easybat“ neben Better Place und Renault auch Automobilzulieferer Continental, der TÜV Rheinland und diverseste Forschungseinrichtungen an der Vereinheitlichung von Anschlüssen und Komponenten.

Trotzdem ist die Batterie-Wechsel-Idee schon mehr als nur ein Gedankenspiel. In den nächsten Monaten sollen in Dänemark 19 weitere Wechselstationen errichtet werden. Das erste Elektroauto, dass dort im Laufe dieses Jahres zum Akku-tausch vorfahren soll, ist der 5sitzige Renault Fluence Z.E., eine bis zu 135 km/h schnelle, strombetriebene Limousine mit 70 kW und 95 PS. Der Elektro-Renault soll im Nachbarland in etwa 27.500,- Euro kosten. Dazu kommt eine monatliche Leasingrate für die Batterien, die je nach Fahrleistung zwischen 199,- und 399,- Euro für maximal 40.000 Kilometer beträgt. Wesentlich mehr Geld wird aber der Aufbau eines weltumspannenden Netzes von Wechselstationen kosten. Damit das System sich durchsetzt und zu finanzieren ist, müssten alle Hersteller an einem Strang ziehen und die Zukunftsmärkte wie China oder Indien mitmachen.



Mal sehen was hier noch kommen wird.
Könnte mir aber so eine Wechselstation, doch an jeder Tankstelle vorstellen. Sozusagen als zusätzliches Service bzw. als zweites Standbein.

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