Genmanipulierte Bakterie soll Dieseltreibstoff produzieren

Laut Angaben des US-Unternehmen Joule Unlimited haben sie im geheimen vier Jahre lang daran gearbeitet eine Alternative zum herkömmlichen Kraftstoff zu finden. Nun stehen sie angeblich vor dem Durchbruch. Die 70 Mitarbeiter sollen es geschafft haben, ein Bakterium genetisch so umzuprogrammieren, das es bei der Photosynthese Dieseltreibstoff ausscheidet. Laut Joule liegen die Kosten pro Barrel bei 30 Dollar. Beobachter sind aber noch skeptisch, ob dies auch im großen Stil möglich sein wird.

„Selbst wenn nur die Hälfte richtig liegen, wird das die größte Industrie der Welt revolutionieren, nämlich die Öl- und Gasindustrie“, sagt Sims, der mit seiner Firma im US-Bundesstaat Masachusetts werkt. „Und wenn wir zur Gänze richtig liegen, wird es die Welt verändern.“

Laut den Angaben von Joule ist es erstmals gelungen Biokraftstoff, der der molekularen Zusammensetzung von Diesel entspricht, herzustellen ohne dafür Biomasse wie Getreide oder Algen sowie aufwendige Raffinerieverfahren zu verwenden.

Ein genetisch neu programmiertes Cyanobakterium, das in der von Joule vorgestellten Technologie in Sonnekollektor- ähnlichen Behältnissen gehalten wird, schneidet bei der Photosynthese höhere Alkane aus, Hauptbestandteil von Diesel und Kerosin. Dafür braucht man nur SONNE, WASSER und KOHLENDIOXID. Joules Top-Forscher Dan Robertson meinte dazu: „Das Cyanobakterium sei in der Natur „überall zu finden“ und weniger komplex als etwa eine Alge, wodurch die gentechnische Manipulation wesentlich einfacher sei.“

Laut der Firma ist es möglich, mehr oder weniger direkt von dem Bioreaktor genannte Behältnisse, die wie Solarfarmen im Freien aufgestellt werden können, abpumpen zu können. Somit braucht man auch keine zusätzlich Raffinerie. Joule hat dies bereits vor einem Jahr patentieren lassen und hat schon damals in der Ölindustrie für Aufregung gesorgt.

Die gewagteste Behauptung des Unternehmens sind jedoch seine Kostenrechnungen. Die Bakterien seien viermal so effizient wie beispielsweise aus Algen gewonnener Biokraftstoff. Auf einem Acre – etwa 4.000 Quadratmeter oder zwei Drittel eines Fußballfeldes – produzieren die Bakterien in einem Jahr 15.000 Gallonen bzw. rund 57.000 Liter Treibstoff. Das sind 358 Barrel Öl pro Jahr. Joule beziffert die Kosten mit 30 Dollar pro Barrel. Der Preis für einen Barrel Erdöl der Sorte Brent lag zuletzt bei 113,25 Dollar.

In Österreich hat man im letzten Jahr 9,7 Milliarden Liter Diesel verbraucht. Um diesen Bedarf decken zu können müsste man Treibstoff-Sonnenfarmen auf  680 Quadratkilometern Fläche errichten. Noch dazu müssen Sonneneinstrahlung und Klima passen, dazu hat sich aber Joule noch nicht geäußert.

Man glaubt zwar an das was das Unternehmen bekannt gibt, kann sich dies aber im großen Stil nicht vorstellen. Der US-Universitätsprofessor Timothy Donohue meinte gegenüber der Associated Presse: „Es kann funktionieren, die eigentliche Frage ist aber, ob es funktionieren wird. Es gibt viele gute Ideen, die scheitern, wenn man sie hochskaliert.“

Philip Pienkos vom US-Department für Erneuerbare Energie ist gegenüber dem ganzen Projekt sehr skeptisch. Laut den Daten kommen diese Treibstoff-Molekühle in sehr viel Wasser und daraus müsse man sie erst einmal herausbekommen. „Wenn sie das nicht effizient hinbekommen, tauschen sie ein Problem gegen das andere.“

Joule möchte mit einer rund acht Fußballfelder großen Testanlage noch heuer starten. Damit möchte er seine Versuche auch im großen Rahmen beweisen. Geht dies gut, können sie sich vorstellen, in zwei Jahren in den kommerziellen Bereich vordringen zu können.

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Ein Kommentar zu Genmanipulierte Bakterie soll Dieseltreibstoff produzieren

  1. cofactor sagt:

    Eine interessante Technologie – aber auch berechtigte Einwände. Separation und Scaling Up sind kein Kinderspiel. Die Frage der genetischen Manipulation wirft zudem noch das Problem des Produktionsstandorts auf. In der EU wird es sicherlich auf absehbare Zeit keine der Anlagen geben…

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